Der Reisende fährt durch die lichten Laubwälder des Steigerwaldes und gelangt unvermittelt auf eine Rodungsinsel. Hier öffnet sich eine ganz besondere Landschaft mit Feldern und vielen einzeln stehenden Obstbäumen. Jetzt taucht in dieser grünen Baumlandschaft der Ort Fatschenbrunn auf. Mitten im Ort hinter dem Weiher erreicht der Reisende den Hof von Franz Hümmer.

Er nimmt den Reisenden mit in die Baumfelder. Eine 800jährige Tradition steht hinter dieser sehr ertragreichen Art der Feldbewirtschaftung. Geerntet wird unter der Erde, über der Erde und in der Luft: unten Kartoffeln oder Rüben, darüber Korn, und in der luftigen Höhe der 300 hochstämmigen Bäume Birnen und Äpfel. Der Reisende erfährt von den 30 Birnensorten, die zum Teil nur hier wachsen und die den Boden vor Erosion schützen. Die Wurzeln halten das Wasser besser und sorgen so für gute Ernten. Im Herbst, wenn die Felder abgeerntet sind, kommt Franz Hümmer mit einer bis zu 9m langen Stange, um die spätreifenden Birnen herunterzuschütteln. Dann liest er sie auf, und bringt sie zum Hof. Hier werden sie gewaschen und im Ganzen mit Haut und Stiel getrocknet

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Auf der Rückfahrt zum Hof erzählt Franz Hümmer von dem internationalen Interesse an der Baumfelderkultur, selbst Chinesen hätten ihn schon besucht. Diese Wirtschaftsform und die Hutzeln sind in der deutschen Liste der immateriellen Güter gelistet. Der Reisende freut sich über die Aussicht, daß Hutzeln und Baumfelderkultur auch zum UNESCO Kulturgut werden kann. Frau Hümmer hat mit den Nachbarinnen bereits ein kulinarisches Erlebnis besonderer Art für die Gäste vorbereitet: Hutzeln auf vielfältigste Art zubereitet, ein Rezeptbuch ist in Vorbereitung.

Nach diesem Gaumenerlebnis wollen wir noch wissen, wie diese Köstlichkeit, die im Aussehen an Trüffel erinnert, eigentlich hergestellt wird. Das ist der Moment, in dem uns Franz Hümmer freudestrahlend in sein Heiligstes einläßt, seine Holzdarre. Hier werden nur einwandfreie Birnen auf Gittern ausgebreitet und in den, mit Holz befeuerten, Ofen geschoben. Da braucht man schon einige Erfahrung um die Hutzeln im richtigen Moment wieder herauszuholen. Den Reisenden erfüllt es mit Ehrfurcht und Freude dieses traditionelle und doch so moderne Kulturgut kennengelernt zu haben.

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Fotos und Infomaterial von Franz Hümmer
franz_huemmer@web.de
www.fatschenbrunn.de
www.hutzeln.net

Immaterielles Kulturerbe Deutschland

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Genußort Fatschenbrunn