Bevor ich die Landstraße zwischen dem „trüben See“ und dem „Eremitental“ überquere, denke ich zurück an den Weg hinab zum See. Sechsundreißig Höhenmeter ging es talwärts. Damals, als der Park entstand, war zu Beginn des unbewaldeten Weges ein Stein vor der Weggabelung mit der Aufschrift „Die gütige Natur ermüdet nie“. Von hier führte der linke Weg zum „trüben See“, diesen Weg bin ich gegangen. Den rechten Weg konnte ich nicht entdecken.

Jener Weg führte zum „Charlottenplatz“, der westlich des trüben Sees lag. Von dort führte ein Weg zur „Morgenhütte“, einer Holzhütte, die längst verschwunden ist. Hier am Waldrand fand der Wanderer die Inschrift „Oh Morgen! Deine Jugend welket nimmer, die meinige welkt in kurzem. Nicht lange, so suchst Du mich vergebens im Felde.“

Dieser Landschaftspark ist so anders als ein englischer Landschaftspark:

  • keine Landschaft, die sich wie ein Gemälde ausbreitet,
  • kein antiker Tempel, der sich im See spiegelt,
  • keine arkadische Landschaft, ausstaffiert mit Schafen und Hirten,
  • keine große Wiesen, in denen einzelne Bäume und Baumgruppen den Blick auf sich ziehen,
  • keine endlosen Weiten, in denen sich elegant verschlungene Wege verlieren.

Diese Eigenständigkeit ist der Einfluß von Christian Truchseß Gartenfreund C.C.L. Hirschfeld, dem Autor der „Theorie der Gartenkunst“. Hirschfeld war seinerzeit als „Gartenrevolutionär“ berühmt geworden. Er war jedoch nur Theoretiker. Einem Angebot, in Kassel für die Wilhelmshöhe verantwortlich zu sein, folgte er nicht. Er wollte in Kiel, wo er als Professor tätig war, mit dem Aufbau der ersten deutschen Baumschule der Landbevölkerung dienen.

Mag sein, dass sich Christian Truchseß, Schwarzkopf und Hirschfeld in Kassel begegnet sind. Hirschfeld war jedenfalls stolz, im, nach seiner Meinung , unaufgeklärten Süden, durch eine Urne im Garten eines Freundes auf einem Gedenkplatz geehrt worden zu sein.

Als Ziel dieser Gartenkunst wird im Vorwort zur Biographie C.C.L. Hirschfelds der Landschaftsgarten „… als Ort, an dem der moderne Mensch … seinen Wunsch nach selbstgewählten Werten und Weisen des Lebens sollte realisierern können. …“

Christian Truchseß realisierte diesen Ort im Sinne eines melancholisch-sentimentalen Zyklus im Sinne Hirschfelds auf drei Hügeln, einem kleinen Tal und einer kleinen Schlucht. Gegenüber dem Burgberg stand der Margarethenberg mit dem Familienzyklus neben dem Huttenberg mit dem Ritterzyklus, dazwischen das Eremitental.