Gartenparadiese Haßberge

Grüne Paradiese: Offene Gärten, Private Gärten, Kräutergärten, Pfarrgärten, Künstlergärten – Parks und Schlossparks, Kulturlandschaften

Der Baunacher Ritterkanton

Architektur und Gartenarchitektur  im Baunacher Ritterkanton im 18 Jhdt.

In den Haßbergen hat sich eine ganz spezielle Kulturlandschaft entwickelt, die von den Freiherren und reichsunmittelbaren Rittern geprägt wurde. Über Jahrhunderte erwarben sich die Familien der Ritter eine Eigenständigkeit, indem sie direkt vom Kaiser Grundrechte, Gerichtsrechte und Zehntrecht, also das Recht auf Steuern erhielten. Diese Rechte erhielten sie für Dienste und finanzielle Unterstützung des Kaisers. Die Fürsten hatten somit keinen Zugriff mehr auf die Ritterschaft. Diese schlossen sich in Ritterkantonen zusammen, wie im Steigerwald und in den Haßbergen, mit dem Verwaltungsort Baunach. Der ehemalige Ritterkanton Baunach ist nahezu identisch mit dem heutigen Landkreis Haßberge. Auf diese Unabhängigkeit waren die Ritter stolz und zeigten dies bei vielen Gelegenheiten, indem sie auf die Tradition und das Alter ihres Geschlechtes verwiesen. Das war wichtig, denn die Fürsten versuchten immer wieder diese Freiheit zu beschneiden. Als Garantie für ihre Selbständigkeit hatten die Ritter ihre Einkünfte aus der eigenen Landwirtschaft die sie betrieben. Die jungen Männer dieses Standes bereisten bei ihrer Kavalierstour die maßgeblichen Länder Europas, wie Italien, Frankreich, England und die Niederlande. Hier knüpften und pflegten sie Kontakte und nahmen neue Ideen mit. Die Beschäftigung mit Kunst und Architektur war ihr Privileg. Viele Ritter betätigten sich später bei Neubauten als Kavaliersarchitekten, die bedacht waren auf Raumwirkung und gesellschaftliche Darstellung. Technische und statische Lösungen überließen sie der Bauausführung.

Es dauerte fast 50 Jahre nach dem 30jährigen Krieg zwischen Katholiken und Protestanten, bis es in Unterfranken zu einer regen Neubautätigkeit kam. Welchen Einflüssen und Ideen in Architektur und Gartengestaltung begegneten die Freiherrn auf ihrer Kavalierstour durch Europa, die auch in Unterfranken Auswirkungen zeigten?

Mit der Entdeckung des Seeweges nach Indien und China hatte Venedig als zentraler Handelsplatz für die Geschäfte mit Asien seine Stellung eingebüßt. Die wohlhabenden Fürsten und Handelsleute mussten sich neu orientieren und entdeckten die „terra ferma“ das Festland hinter Venedig. Hier entstanden Landsitze, Villen, für Bauherren, die den neuen Ideen der Renaissance offen gegenüberstanden. Diese Villen entsprachen einem neuen Bautypus. Landwirtschaftliche Anlagen wurden kombiniert mit herrschaftlicher Pracht. Ein Meisterarchitekt dieser Villen war Palladio, der neben viele Villen mit Gärten vier Bücher der Architektur verfasste, die „quadri libri“. In den vier Büchern befasst er sich mit dem Typ der Villen im Rückgriff auf die klassische Antike. Er entwickelt und zeichnet für jede Baulösung Typen, die bis heute Nachhall finden. Ein Beispiel hierfür ist die Schloßanlage Birkenfeld.

Weitere Einflüsse kamen aus Nordfrankreich und den Niederlanden, hier entwickelten Wohnhäuser und Hotels einen weniger dekorativen Stil als das prächtige Barock der absolutistischen Herrscherhäuser. Speziell in den protestantisch-calvinistischen Niederlanden wurde dieser Stil auch in Schloßanlagen weiterentwickelt. Dabei wurden Schloß und Garten immer zusammen gedacht. Es war der Auftakt zum Klassizismus, der ohne Schnörkel und Schmuck auskommt. Dieser Stil wurde insbesondere in Ansbach weiterentwickelt, in dem ein maßgeblicher Ritter aus dem Kanton, Johann Philipp Friedrich von Hutten, wirkte. Der Architekt, der diesen Ansbacher Klassizismus im Baunacher Ritterkanton unter von Hutten ausführen konnte, war Karl Friedrich von Zocha.

Neben diesen äußeren Einflüssen auf die Architektur und Gartengestaltung im Baunacher Kanton gab es auch innere Kräfte, die darauf einwirkten. Es gab zwei Familiengruppen, die sich untereinander förderten und eigene Interessen verfolgten. Da waren die alteingesessenen protestantischen Familien, wie von Hutten oder den Ritterhauptmann Hans Georg zu Rotenhan, und die katholischen Familien von Guttenberg, von Greifenclau und Fuchs von Bimbach und Dornheim.

Die katholischen Familien waren zunächst eng mit dem Würzburger Fürstbischof verbunden. Hier wurde ein konservativer Stil gepflegt, der an die Zeiten des Fürstbischofs von Echter erinnern sollte.  Es entstanden zwischen 1685 und 1720 die Schlösser Kirchlauter durch von Guttenberg, Gereuth und Hafenpreppach unter von Greifenclau und Friesenhausen und Burgpreppach unter Fuchs von Bimbach und Dornheim.

Ab 1725/28 entstanden unter den protestantischen Familien im Ansbacher Klassizismus die Schlösser Birkenfeld, Eyrichshof Westflügel, Rentweinsdorf, und Rügheim.

Mit der Wahl des Fürstbischofs von Schönborn 1719 verloren die katholischen Familien Einfluß. Ab 1720 entstand die Würzburger Residenz im Barockstil durch die Architekten Josef Greising und Balthasar Neumann. Letzterer gab dem Schloß in Veitshöchheim mit seinem Rokokogarten 1753 sein heutiges Aussehen.